22. April 1995 - Mein erster Sud

 

TN_1-Sud01TN_1-Sud02Am 22. April 1995 12:50 Uhr war es endlich soweit! Ich ging meinen ersten Sud an. Nachdem ich mir die nötigen Gerätschaften besorgt und nach einem 1/2 Jahr Lehrzeit als Brauer auch schon etwas Hintergrundwissen erlangt habe, konnte es endlich losgehen. Die wichtigste Zutat beim Bier brauen ist ein weiches Wasser. Ein zu hartes Wasser kann das Bier später unangenehm bitter machen. Also machte ich mich mit meinem Kumpel auf, frisches Bergquellwasser aus einer kleinen Quelle im nahegelegenen Odenwald zu holen.

 

TN_1-Sud03Wie es sich für einen angehenden Brauer gehört, braute ich strikt nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 ausschliesslich mit Gerstenmalz, Hopfen(-Pellets), Wasser und Hefe.

 

TN_1-Sud04Nun kann es losgehen. Frohen Mutes und nichtsahnend, was für Überraschungen so noch auf uns zukommen werden, maischt hier Marco gerade ein. Die Kochplatten werden nun - zum Leidwesen meiner Mutter - die nächsten 8 Stunden auf voller Pulle laufen. Allein dies ist schon ein Grund, auf einen Gas-Hockerkocher umzusteigen...

 

TN_1-Sud05In den einschlägigen Heimbrauer-Büchern wurde immer wieder das Abläutern über eine Stoffwindel als einfach und unkompliziert beschrieben. Alle, die dies beTN_1-Sud06hauptet haben oder immer noch behaupten, mögen auf ewig in der Hölle schmoren. Die erste Überraschung erlebten wir, als wir merkten, dass nicht die komplette Maische in die Windel passt. Schweren Herzens musste ich einen Teil des Trebers verwerfen. Das zweite Spektakel war, dass uns dieStoffwindel trotz mehrfacher Verknotung mehr als einmal in den Topf zu rutschen drohte und dies nur durch übermenschlichen Einsatz zu verhindern war! Alles dies wäre ja noch zu akzeptieren gewesen, wenn uns nicht dauernd die Windeln verklebt wären und wir sie so mehrmals wechseln mussten, was uns neben einer Abläuterzeit von fast 3 Stunden auch viel Sauerei einbrachte. Lasst Euch daher nicht von den friedlichen Bildern irritieren und stellt Euch am Anfang darauf ein, dass bestimmt irgendwas schief gehen wird. Was das sein wird?! --> Lasst Euch Überraschen 8-)

 

TN_1-Sud07Nicht desto trotz darf man sich nie unterkriegen lassen und so gaben wir auch weiterhin unser Bestes und das Ausswaschen der restlichen Treber mit dem Anschwänzwasser konnte problemlos (endlich mal) vonstatten gehen...

 

Anschliessend wurde der gewonnenen Würze schliesslich der Hopfen zugegeben und 2 Stunden gekocht. Eigentlich... hier habe ich nämlich dummerweise etwas unsere Herdplatten überschätzt, denn bis ich die Würze einigermaßen auf Temperatur gebracht habe, war schon eine halbe Stunde ’rum und richtig gekocht hat die Würze eigentlich auch nie. Dies hatte zur Folge, dass der zugegebene Hopfen nicht komplett isomerisieren konnte und ich so ein schwach gehopftes aber - oh Wunder - richtig gut schmeckendes Bier eingebraut habe. Aber nun erst mal zurück zum Brauvorgang:

 

TN_1-Sud08TN_1-Sud09Nach dem Würzekochen muss die Würze rasch heruntergekühlt und anschliessend mit der Hefe versetzt werden. Das Abkühlen (linkes Bild) schaut bei mir etwas unorthodox aus, funktioniert aber bei kleineren Mengen prima. Wie Ihr vielleicht erkennen könnt, war mein ‘Gärkeller’ (rechtes Bild) ein kleiner Kühlschrank, was bei Mengen bis 30 Liter auf alle Fälle ausreicht.

 

TN_1-Sud10TN_1-Sud11HURRA!!! Wie Ihr auf dem linken Bild sehen könnt, ist das Bier ‘angekommen’, d.h. Die Hefe hat begonnen unter Mithilfe von Sauerstoff den Malzzucker in Alkohol zu vergären. Auf dem rechten Bild (am 5. Tag) hat sich schon eine schöne Braunkräusen gebildet.

 

TN_1-Sud1229. April 1995 - Das Jungbier wird zur Nachgärung und zur Bildung von Kohlensäure in Flaschen umgefüllt. Jetzt noch vier Wochen warten und dann zeigt sich, was ich bereits in meiner Lehre gelernt habe...

 

TN_1-Sud1327. Mai 1995 - PROST! Auch wenn das Bild leider unscharf geworden ist, das Bier war es bestimmt nicht! Zwar etwas schwach gehopft, aber dennoch schmeckte es einwandfrei - richtig erfrischend :-)

 

special thanx meinem 2. Braumeister: Marco

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